Fest der Sinne

Aus:
Trierischer Volksfreund, 10.09.2002

Tasten, Fühlen, Staunen
1000 Burggäste feiern Fest der Sinne in Dudeldorf

DUDELDORF. (het) Etwa 1000 Kinder und Erwachsene sind beim Fest der Sinne auf der Burg Dudeldorf in die bunte Welt des Fühlens, Riechens, Sehens, Hörens und Schmeckens eingetaucht.

"Das Fest der Sinne war ein voller Erfolg", sagt Veranstalterin und Burgherrin Teneka Beckers. "Besonders die Ecke von Silvio war den ganzen Tag über rappelvoll." Der Countertenor, der bei der Aufführung der Carmina Burana am Abend als sterbender Schwan sein Leben lassen musste, wirkte tagsüber im Burggarten bei seiner Zirkusakrobatik noch quicklebendig. Kleine und große Zirkusbegeisterte griffen zu Balancier-Seil, Jonglierbällen und bunten Diabolos, um ihre Geschicklichkeit zu testen.

An den benachbarten Stationen waren andere Sinne gefragt. Auf einem Barfußpfad konnten die Besucher verschiedenste Naturmaterialien wie Sand, Rinde, Kies, Stroh, Steine und Holz mit den Füßen ertasten und erhielten gleichzeitig eine wohltuende Massage.

Tasten, allerdings mit den Händen, war auch beim Stand der Waldjugend zusammen mit Förster Pickan angesagt. Statt mit den Füßen konnten dort die Naturmaterialien in verschiedenen Tastsäckchen mit den Händen erfühlt werden. Die Nase war bei der Duftorgel mit verschiedenen Waldgerüchen gefragt.

Unerwartete Perspektiven und Begegnungen bot ein verwinkeltes steinernes Labyrinth nach antiker Vorlage.

Und auch die Augen kamen auf ihre Kosten: Der Pavillon war als Farbraum ganz in blaues Licht getaucht. "Wer mindestens drei Minuten in diesem Raum bleibt, hat eine ganz andere Wahrnehmung - vor allem wenn man wieder nach draußen kommt", sagt Teneka Beckers.

Sie war überrascht, dass nicht nur Kinder, sondern auch zahlreiche Erwachsene an den einzelnen Stationen ihre Sinne erprobt haben.

Schwan auf Stelzen
Carl Orffs "Carmina Burana" beim "Fest der Sinne" in Dudeldorf

Von unserem Mitarbeiter
GERHARD W. KLUTH

DUDELDORF.. Anknüpfend an den Erfolg des letzten Jahres versuchte man in Dudeldorf das Gemäuer der alten Burg mit neuem Leben zu füllen. Abschluss eines Tages, der ganz auf Sinneserfahrungen ausgerichtet war, bildete eine mitreißende Aufführung der Carmina Burana von Carl Orff.

Historische Burgspektakel aller Art gibt es in den Sommermonaten in Hülle und Fülle. Viele Menschen haben die Geschichte für sich entdeckt und stürzen sich gerne in ein paar historisch anmutende Stunden. In Dudeldorf, einem zwischen Wittlich und Bitburg gelegenen Ort, steht auch ein alt-ehrwürdiges Gemäuer, das man mit neuem Leben zu füllen versucht. Nach einer geglückten Premiere im letzten Jahr setzte man diesmal einen Erlebnistag unter der Überschrift "Ein Fest der Sinne" aufs Programm. Abschluss des Tages war eine große Aufführung der "Carmina Burana" von Carl Orff. Ort der Aufführung war der Burginnenhof.

Spätestens bei der Liste der Ausführenden des Orffschen Werkes musste man stutzen und aufmerksam werden. Die Chorpartie hatte das in Trier ansässige "Europäische Zentrum für Chorkultur" übernommen, den Orchesterpart das sinfonische Blasorchester Wemmetsweiler. Solisten waren Kathryn Krasovec (Sopran), Benoît Giaux (Bariton) und ein geheimnisvoller Silvio als Countertenor. Die Gesamtleitung - und spätestens hier konnte man sicher sein, dass man eine gesunde Mischung aus Spektakel und Anspruchsvollem zu erwarten hatte - lag in den Händen von Martin Folz.

Pralles Leben versprochen und Wort gehalten

Folz versprach in seiner kurzen Moderation dem etliche hundert Personen starken Publikum - schon eine halbe Stunde vor Beginn der Aufführung gab es keine Karten mehr - das pralle Leben und hielt Wort. Zur Einstimmung in das mittelalterliche Szenario sang er zusammen mit Uwe Sahner, Jörg Zell und Stefan Schnur als Männerquartett "Cräm fresch" einige zeitentsprechende Liebeslieder, bevor "Fortuna, Imperatrix mundi" die Referenz erwiesen wurde. Die allesamt aus dem Profilager stammenden Solisten beherrschten ihre Partien glänzend und überzeugten ebenso wie das ausgezeichnet disponierte Blasorchester. Rhythmisch und tonal sehr sicher gestalteten sie das große Opus.

Der Projektchor konnte hier leider nicht so ganz mithalten. Die aus unterschiedlichsten Chören stammenden 80 Sängerinnen und Sänger nahmen zwar die nicht gerade niedrigen Hürden der rhythmischen Anforderungen mit Bravour, von der Intonation her ließen sich aber einige Probleme nicht kaschieren. Insbesondere der Sopran sorgte gelegentlich dafür, dass von den alten Mauern nicht nur Wohlklänge reflektiert wurden.

Insgesamt konnten aber sowohl Veranstalter als auch Ausführende mit dem Abend sehr zufrieden sein. Stehende Ovationen für alle Beteiligten zeigten, dass sie sich von dem großen Engagement hatten mitreißen lassen. Besonders bedacht wurde verdienter Maßen Countertenor Silvio, der für seinen berühmten Schwanengesang als solcher kostümiert und vor allem auf Stelzen auftrat und somit auch noch eine hervorragende artistische Leistung vollbrachte.